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Klassik statt Klingel, Update
Heute Morgen um 09:18 schrillte das Telefon - ein Anruf von Herr Leonardy!
In einem knapp zehnminütigen Monolog konnte mich der Herr Professor von
seinen überaus lauteren Absichten bezüglich des Projektes "Klassik
statt Klingel" überzeugen. Nicht nur die hier geäußerte Vermutung, das
patentierte Produkt sei dazu angetan, damit Geld zu verdienen, sei
falsch, nein, auch die Tatsache, dass es sich um ein Patent handele, so
versicherte mir der Professor glaubhaft, sei ihm selbst nicht geläufig
gewesen.
Könnte es sich also um einen Patentierungsunfall gehandelt haben?
Kurzum, das Telefonat konnte mich von dem "genialen pädagogischen
Konzept" (Leonardy über Leonardy) vollends überzeugen. Nach dem
Gespräch begann ich jedoch zu grübeln; in dem tiefen Bedürfnis, die der
guten Idee angetane Schmach zu tilgen, verfiel ich auf die - meiner
Ansicht nach nicht minder geniale - Idee, das ohnehin durchschlagende
Verfahren in seiner Wirksamkeit um das Sechzigfache zu verstärken.
Allein durch die Übertragung des Verfahrens auf die Sirenenanlage der
Dillinger Hütte, die jeden Schichtwechsel mit einem tiefen Hornton
ankündigt, würde der Wirkungsbereich der Klassikbeschallung auf einen
Radius von ca. 10km ausgeweitet und könnte somit ca. 70.000 zukünftige
Klassikfans erreichen!
Das wäre aber nur der Anfang: Die Breitenwirkung läßt sich auch in
Gebieten ohne Schwerindustrie verbessern, das italienische Modell der
Mehrklangfanfare an jedem Automobil ist hier ein deutlicher Wegweiser
in die richtige Richtung. Doch auch struktur- und verkehrsschwache
Randgebiete müssen fürderhin nicht unter Klassikentzug leiden: Sollten
die Kirchen mitspielen und sich endlich zum Ersatz der melodisch doch
sehr eingeschränkten Möglichkeiten der althergebrachten Glockenspiele
durch leistungsstarke Beschallungsanlagen hinreissen lassen, steht der
Welteroberung der Klassiker nichts mehr im Wege!
Ein Wermutstropfen sei bei der konsequenten Durchführung jedoch nicht
verschwiegen: Die von der "Berliner Morgenpost" geäußerten Bedenken,
dass die Anbieter von Klassik-CDs in naher Zukunft durch Raubkopierer
in ihrer Existenz bedroht werden könnten, ist nicht von der Hand zu
weisen.
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