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Klassik statt Klingel, Update

Erstellt von: olaf
Erstellungsdatum: 10-November-2005 15:07
Status: Freigegeben
Gelesen: 1006
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Heute Morgen um 09:18 schrillte das Telefon - ein Anruf von Herr Leonardy!
In einem knapp zehnminütigen Monolog konnte mich der Herr Professor von seinen überaus lauteren Absichten bezüglich des Projektes "Klassik statt Klingel" überzeugen. Nicht nur die hier geäußerte Vermutung, das patentierte Produkt sei dazu angetan, damit Geld zu verdienen, sei falsch, nein, auch die Tatsache, dass es sich um ein Patent handele, so versicherte mir der Professor glaubhaft, sei ihm selbst nicht geläufig gewesen.
Könnte es sich also um einen Patentierungsunfall gehandelt haben?
Kurzum, das Telefonat konnte mich von dem "genialen pädagogischen Konzept" (Leonardy über Leonardy) vollends überzeugen. Nach dem Gespräch begann ich jedoch zu grübeln; in dem tiefen Bedürfnis, die der guten Idee angetane Schmach zu tilgen, verfiel ich auf die - meiner Ansicht nach nicht minder geniale - Idee, das ohnehin durchschlagende Verfahren in seiner Wirksamkeit um das Sechzigfache zu verstärken. Allein durch die Übertragung des Verfahrens auf die Sirenenanlage der Dillinger Hütte, die jeden Schichtwechsel mit einem tiefen Hornton ankündigt, würde der Wirkungsbereich der Klassikbeschallung auf einen Radius von ca. 10km ausgeweitet und könnte somit ca. 70.000 zukünftige Klassikfans erreichen! Das wäre aber nur der Anfang: Die Breitenwirkung läßt sich auch in Gebieten ohne Schwerindustrie verbessern, das italienische Modell der Mehrklangfanfare an jedem Automobil ist hier ein deutlicher Wegweiser in die richtige Richtung. Doch auch struktur- und verkehrsschwache Randgebiete müssen fürderhin nicht unter Klassikentzug leiden: Sollten die Kirchen mitspielen und sich endlich zum Ersatz der melodisch doch sehr eingeschränkten Möglichkeiten der althergebrachten Glockenspiele durch leistungsstarke Beschallungsanlagen hinreissen lassen, steht der Welteroberung der Klassiker nichts mehr im Wege!

Ein Wermutstropfen sei bei der konsequenten Durchführung jedoch nicht verschwiegen: Die von der "Berliner Morgenpost" geäußerten Bedenken, dass die Anbieter von Klassik-CDs in naher Zukunft durch Raubkopierer in ihrer Existenz bedroht werden könnten, ist nicht von der Hand zu weisen.